Lea Hellwig, Simon Schindele, Simon Steinberger

Orte werden geprägt durch soziale, kulturelle, historische, ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Faktoren. Diese werden räumlich und greifbar in Form von Architektur und Infrastruktur. Durch menschliche Bedürfnisse können zweckgerichtete, künstliche Orte entstehen, die ohne Bezug zu ihrem unmittelbaren Umfeld existieren. Mit Europas »größter tropischen Urlaubswelt« Tropical Islands wurden der Regenwald und die Südsee nach Brandenburg geholt und sowohl natürlich als auch künstlich nachgestellt. Pflanzen, Tiere und Bauwerke aus verschiedenen Nationen werden hier unter einer gigantischen Stahlkonstruktion vereint. Je nach Blickwinkel wirkt die nachgeahmte tropische Szenerie authentisch oder künstlich. Dieses Spannungsfeld gilt es zu untersuchen.


In einer breit angelegten Recherche wurde zunächst Material aus Reportagen, Interviews, Statistiken, Besucher-Bewertungen, Fotos, Geschichte und der Unternehmensphilosophie zusammengetragen. Außerdem dokumentierten wir alles, was man an Pflanzen, Tieren und Nachbauten in Tropical Islands finden kann in einem Fotoprotokoll – ein detailliertes fotografisches Nachschlagewerk, das dem Betrachter einen tieferen Einblick in das Tropical Islands ermöglicht.


Auf Grundlage des Morphologischen Kastens von Fritz Zwicky experimentierten wir im nächsten Schritt mit der fotografischen Erzeugung von Illusionen mithilfe von fotografischen Stilmitteln wie Unschärfe, Fokus und Ausschnitt.


In der finalen Umsetzung werden in einem Film, Aufnahmen aus dem Tropical Island mit Found Footage von echten Tropenwäldern vermischt um den Grenzbereich zwischen Original und Imitation auszuloten. Durch die Tonebene wird der Bruch schließlich immer deutlicher, die Tropenwelt wandelt sich zu einem überdachten Erlebnisbad voller Lärm und Inszenierung. Zusätzlich zu den einzelnen Untersuchungen zur Authentizität wurde ein Erscheinungsbild entwickelt, das sich aus den grafischen Elementen der »Vorbildnationen« des Tropical Islands zusammensetzt. Zur Präsentation der verschiedenen Fragmente wurden schließlich in eine Installation konzipiert um das Thema für den Betrachter zugänglich und räumlich erlebbar zu machen. Durch die formale Anlehnung an eine Umkleidekabine wird die Grenze zwischen Außenwelt und Tropenlandschaft nachgestellt.