Miriam Kadel / Isabel Kronenberger

Bereits die ersten elementaren Fragen, die zum Thema Risiko gestellt werden, deuten auf eine unüberschaubare Fülle von Determinanten in unserer Welt hin, denen wir eine Verantwortung beispielsweise für ein konkretes Ereignis zuschreiben. Die Betrachtung einzelner für das Ereignis maßgeblich erscheinender Faktoren wiederum lässt immer wieder an eine Größe geraten, die sich unseren Erwartungen und Berechnungen konsequent entziehen will: dem Zufall.

Diese Unverschämtheit, die ein jeder aus eigenem Erleben kennt, fordert fast schon folgerichtig ein Interesse an der näheren Beschäftigung mit ihm als faszinierender Risikokomponente heraus. Je tiefer das thematische Einlassen auf den Zufall erfolgt, desto stärker fesselt er. Sein Steckbrief provoziert nahezu die Entwicklung eines Projektes, das so nahe wie möglich an ihn heranrückt, ihn begreifbarer macht und direkt zu fassen versucht. Kann man den Zufall herausfordern? Ist er messbar? Was ist der Zufall wert?

 

Letztendlich erschien ein Flohmarktstand als folgerichtige Aktion, die uns sowohl Aufschluss über den Wert des Zufalls bringen würde, also auch seine Generierung und Wahrnehmung beinhaltet.

Den Zufall zu initiieren und provozieren, ihn in Beziehung zu einem beobachtbaren Ereignis setzen, das sich nach dem Anstoß selbständig weiterentwickeln kann – dieser Projektansatz ermöglicht eine enge Berührung mit dem Zufall, den Versuch, ihn zu greifen. Indem ein auslösendes Ereignis geschaffen wird, ist der Startpunkt für eine Kette weiterer Ereignisse gesetzt, die lang oder kurz sein kann. Bereits dieser Startpunkt soll ein Zufall sein. Auf einem Flohmarktstand verkauften wir 100 Zufälle in Kisten.

Die Geschichten, die sich aus den Zufällen entwickelt haben, sind in einem offenen Ordnungssystem aus Briefumschlägen zusammengetragen. Auf der Vorderseite der Umschläge ist der jeweilige Zufallsgegenstand abgebildet. Durch das leicht transparente Material des Umschlags scheint die Geschichte, die buchstäblich »hinter dem Gegenstand« liegt. Ein Steckbrief auf der Rückseite des Umschlages gibt Aufschluss über die Daten, die während des »Zufallskaufs« erhoben wurden.