Katrin Gruber / Clemens Jahn / Moritz Greiner-Petter / Jens Remes

Versteht man die Baustelle der U5 vor dem Roten Rathaus als erhebliches Hindernis im öffentlichen Raum, so ist das erste Ziel unseres Entwurfs, Besucher und Touristen um dieses Hindernis herumzuleiten und darüber zu informieren, wie dieses Hindernis zustande kommt. Die Baustelle beansprucht zudem eine große Fläche öffentlichen Raums, der während der Bauzeit nicht genutzt werden kann. So ist das zweite Ziel unseres Entwurfs Ausgleichsfläche zu schaffen und gleichzeitig Einblicke in die Baustelle zu ermöglichen – aber auch Ausblicke, denn die eigentliche Baustelle ist wesentlich größer als das Bauvorhaben U5. Die ungemein große Freifläche vor dem Roten Rathaus als quasi undefinierter öffentlicher Raum mit bewegter Geschichte bedarf eines Diskurses: vor dem Hintergrund der Vergangenheit des Ortes soll über seine Zukunft gesprochen werden. So ist das dritte Ziel unseres Entwurfs, das Bauprojekt U5 als Anlass zu nehmen, einen solchen Diskurs anzustoßen und dafür vor Ort einen Diskursraum zu schaffen. Der Entwurf besteht aus drei Komponenten: einer (typo)grafischen Bespielung des Bauzauns mit leitender und informierender Beschriftung, einer temporären Stadtmöblierung – direkt am Bauzaun, sowie auf dem Rathausforum und dem Marx-Engels-Forum – und einer temporären interventionshaften „Erweiterung der Baustelle“ mit Plakatwechselvitrinen auf Baugerüsten.

Kernelement des Entwurfs ist die Bespielung des Bauzauns mit Leit- und Informationsbeschriftung. Hier geht es in erster Linie darum, Besucher um die Baustelle herumzureiten, um die durch die Baustelle entstandene Beeinträchtigung zu vermindern.

Die Stadtmöbelelemente bestehen aus vier unterschiedlichen Sitz- und Treppenmodulen, einem Geländermodul sowie einem Brüstungs- bzw. Rückwand - Element. Die verschiedenen Module können für jeden Verwendungsort individuell (re)kombiniert werden.

Als dritte Entwurfskomponente ist eine scheinbare Erweiterung der Baustelle vorgesehen. So ist die durchaus reale und sichtbare Baustelle der U5 Teil einer viel größeren, eher unsichtbaren „Baustelle“, nämlich der des sogenannten Rathausforums und des Marx-Engels-Forums. Zur Thematisierung dieser stadthistorischen und städteplanerischen „Baustelle“ von großer gesellschaftlicher und politischer Relevanz sollen an verschiedenen Stellen Plakatwechselvitrinen auf sechs Meter hohe Baugerüste installiert werden. Diese Vitrinen sollen als Trägermedium einer textlichen oder künstlerisch-gestalterischen Auseinandersetzung mit eben dieser „Großbaustelle“ dienen.